Wie PortaBLe zur Professionalisierung der Lehrerbildung beiträgt...

Ein Beitrag von Thomas Walden

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Lehrer_innen bilden

Im Zuge der Bildung in einer digitalisierten Welt sind alle Lehrenden an Schule und Hochschule dazu aufgefordert, ihren Unterricht zu digitalisieren und die Materialien entsprechend digital aufzubereiten. PortaBLe trägt diesem Umstand Rechnung, indem es z.B. geprüfte Materialien zur Nutzung und Weiterentwicklung zur Verfügung stellt.

Jeder Lehrende kennt die Situation Unterricht, Seminare oder Vorträge vorzubereiten. Um Inhalte didaktisch aufzubereiten werden in der Regel Medien hinzugezogen, die in irgendeiner Form die Veranschaulichung der Inhalte verdeutlichen sollen. Wenn Unterrichtsmaterialien nun digital produziert werden sollen, stellt sich die Frage …

… woher stammen Unterrichtsmaterialien?

In der Schule sind traditionell z.B. Schulbücher das Mittel der Wahl, auf deren Basis Unterricht vorbereitet wird. In Hochschulen bildet Fachliteratur Grundlage für Seminare und Vorlesungen. Im Zuge der Digitalisierung werden jedoch immer mehr Materialen auch online zur Verfügung gestellt. Sei es über Lern-Management-Systeme (LMS) wie Moodle oder auch über eigene Blogs etc. Das ist jedoch nicht ganz unproblematisch, denn damit …

… verstoßen sie gegen Urheberrechtsgesetze?

Schon mit dem Tausch digitaler Materialien, und sei es nur von Festplatte zu Festplatte, wird durch Lehrende ein rechtlicher Graubereich betreten. Schon dieser Graubereich ist von staatlicher Seite nicht tragfähig: Staatsorgane (wie Schulen und Unviersitäten) sind dazu angehalten, sich an geltendes Recht zu halten.

Doch das ist nicht alles. Der Bereich der Illegalität ist durch Kopien schnell betreten. Beispielsweise sind analoge Kopien für den Schulunterricht nur im kleinen Rahmen erlaubt. In digitaler Hinsicht geht die Gesetzeslage noch weiter. Digitale Kopien dürfen nur aus Büchern zur Verfügung gestellt werden, die seit dem Jahr 2005 erschienen sind. Das Gleiche gilt für das Einstellen digitaler Materialien in LMS oder auf der eigenen Homepage. Hier drohen bei Zuwiderhandlung Geld- und Freiheitsstrafen. Woher also digitales Unterrichtsmaterial nehmen?

Hier kommen OER ins Spiel

Open Educational Resources (OER) spielen bei der Digitalisierung von Unterrichtsmaterialien eine entscheidende Rolle. Sie sorgen dafür, dass Lehrende rechtskonform agieren können. OER „[…] sind Lehr- und Lernmaterialien, die zunehmend digital erstellt und über das Internet verbreitet werden. Sie bieten den Vorteil, dass sie – ohne Sorge vor Urheberrechtsverletzungen – bearbeitet, neu zusammengefügt und mit anderen Lehrenden oder Lernenden geteilt oder auch gemeinsam entwickelt werden können. Diese Flexibilität bietet Möglichkeiten für die Entwicklung neuer didaktischer Konzepte und pädagogischer Herangehensweisen“ (BMBF, online verfügbar, Zugriff am 28.10.2017). OER stehen kostenneutral zur Verfügung und können aufgrund ihrer Lizensierung ohne weiteres geteilt, bearbeitet und neu genutzt werden. Dadurch bieten sie eine Reihe von Vorteilen gegenüber traditionellen Unterrichtsmaterialien, wie z.B. Lehrbüchern oder Arbeitsblättern. Denn …

… OER können (unter Angabe der Originalautor_innen)

  • im Netz heruntergeladen und für die eigenen Zwecke genutzt werden
  • modifiziert werden und in modifizierter Form erneut im Netz geteilt werden
  • zur Entwicklung von Materialien beitragen. „Aufgrund ihrer offenen Lizenzierung haben OER einen erweiterten Lebenszyklus über die ursprüngliche Gestaltung und den ursprünglichen Zweck der Bildungsressourcen hinaus. Dieser kann die Eignung von qualitativ hochwertigen und kontextspezifischen Bildungsressourcen für alle verbessern und den Zugang zu diesen erleichtern.“ (Orr, 2016, 10).
  • zur Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit führen (Kollaboration über Etherpads, Wikis,  etc.)
  • zur Entwicklung von Netzwerken beitragen (beispielsweise thematisch gebundene Gruppen, die sich online wie offline konstituieren und arbeiten können)
  • die Aktualität der Materialien besser gewährleisten
  • technisch einfacher auf dem neuesten Stand gehalten werden und
  • einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit durch Bildung auf der Welt bieten.

 

Wie trägt PortaBLe zur Lehrerprofessionalisierung bei?

Auf PortaBLe werden sämtliche Beiträge mit der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0 publiziert. Damit stehen sämtliche Materialien als OER online zur Verfügung. Wie oben angedeutet kann der Herstellungsprozess von Unterrichtsmaterialien selbst zum Lernprozess geraten. Im Sinne eines Lehren durch Lernen werden Materialien entwickelt, genutzt, geteilt, wiedergenutzt und wiedergeteilt usw. Idealerweise verläuft dieser Prozess ohne qualitative Reibungsverluste. Doch die Realität zeigt, dass Online Portale unter dem Qualitätsverlust ihrer Materialien leiden.

Hier setzen wir mit PortaBLe an:

PortaBLe stellt nur qualitätsgeprüfte OER zur Verfügung. Die Online Redaktion von PortaBLe besteht aus wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen der Universität Bielefeld, die sich damit beschäftigen, die Materialien jeweils zu prüfen, bzw. an entsprechende Stellen weiterzuleiten, um sie durch fachwissenschaftliche Expert_innen prüfen zu lassen. Zudem steht die Online Redaktion aktuell als Servicestelle für die Einstellung von OER Materialien zur Verfügung. Sie entwickelt die technische Infrastruktur des PortaBLe ständig weiter und vernetzt sich phasenübergreifend für die Lehrerbildung am Standort Bielefeld sowie darüber hinausgehend mit weiteren Standorten.

 

Ist dieser Aufwand notwendig?

Unbedingt! Nicht nur die Mitarbeiter_innen der Universität legen auf qualitativ hochwertiges Unterrichtsmaterial größten Wert. Wir wissen aus einem Barcamp[1], das die Online Redaktion im Juni 2017 mit Lehramtsstudierenden der Universität Bielefeld zum Thema Digitalisierung der Lehrerbildung durchgeführt hat: aufgrund der Fülle digital verfügbarer Materialien sind Studierende verunsichert. Sie möchten in ihrem Studium gerne auf verlässliche schulspezifische Materialien ihrer Hochschuldozent_innen zurückgreifen. Dieses Material erhalten sie über PortaBLe. Schon damit trägt PortaBLe wesentlich zur Professionalisierung der Lehrerbildung am Standort Bielefeld bei.

 

Text: TW

Foto Composit: TW

 

Literatur:

BMBF. Digitale Medien in der beruflichen Bildung. Online verfügbar. [URL]:

https://www.bmbf.de/de/digitale-medien-in-der-bildung-1380.html. Zugriff am 28.10.2017

Orr, Dominic (2016). Die OECD-Studie „Open Educational Resources – a Catalyst for Innovation“. In: Neumann Jens u. Muuß-Merholz, Jöran. (2016). OER Atlas. Berlin. S. 9 – 14. Online verfügbar. [URL]: https://oerworldmap.files.wordpress.com/2016/03/oer-atlas-2016-komplett.pdf. Zugriff am 02.11.2017

 

[1] Bei der Entwicklung von PortaBLe wurde schon in einer frühen Entwicklungsphase Phase deutlich, dass ein digitales Portal, das unter anderem Lehrkonzepte, Seminarpläne etc. zur Verfügung stellen will, mit Skepsis begegnet wird. Eine der Fragen, die dabei regelmäßig wiederkehrt, ist die Frage nach dem „Warum?“. Welchen Sinn hat es, Arbeitszeit für die Digitalisierung von Lehrmaterialien aufzuwenden und dieses kostenlos und verbunden mit einigem Arbeitsaufwand online zur Verfügung zu stellen? Würde dieses Material überhaupt genutzt werden? Um Antwort auf diese Fragen geben zu können veranstalteten wir mit den Studierenden ein Barcamp. Ein Barcamp eignet sich deshalb, weil es Raum für Dialog, mit einem sehr niederschwelligen Zugang, bietet.

 

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